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IT-Grundlagen7 Min. Lesezeit

Netzplantechnik: FAZ, SEZ, Puffer und kritischer Pfad

Kurzantwort

Ein Netzplan zeigt, welche Vorgänge eines Projekts aufeinander aufbauen. Mit der Vorwärtsrechnung bestimmt man die frühesten Anfangs- und Endzeiten (FAZ, FEZ), mit der Rückwärtsrechnung die spätesten (SAZ, SEZ). Die Differenz ist der Puffer. Vorgänge ohne Puffer bilden den kritischen Pfad: Verzögert sich einer davon, verschiebt sich das ganze Projekt.

Teil des Lernpfads IT-Service und Projekte · Schritt 7 von 8

Ein Projekt besteht aus vielen Aufgaben, und nicht alle können gleichzeitig starten. Die Hardware lässt sich erst einrichten, wenn sie geliefert ist; die Schulung ergibt erst Sinn, wenn das System steht. Die Netzplantechnik macht diese Abhängigkeiten sichtbar und beantwortet die zwei Fragen, die jede Projektleitung umtreiben: Wie lange dauert das Projekt mindestens? Und welche Aufgaben dürfen sich auf keinen Fall verzögern? In der AP2 ist das ein Dauerbrenner.

Was ist ein Netzplan?

Ein Netzplan ist eine grafische Darstellung aller Vorgänge eines Projekts und ihrer Abhängigkeiten. Jeder Vorgang hat eine Dauer und einen oder mehrere Vorgänger, die abgeschlossen sein müssen, bevor er beginnen kann. In der Prüfung wird fast immer der Vorgangsknotennetzplan verwendet: Jeder Vorgang ist ein Kästchen (Knoten), Pfeile zeigen die Reihenfolge.

Die Begriffe: FAZ, FEZ, SAZ, SEZ

Für jeden Vorgang werden vier Zeitpunkte berechnet:

AbkürzungBedeutungBerechnung
FAZfrühester Anfangszeitpunktgrößtes FEZ aller Vorgänger
FEZfrühester EndzeitpunktFAZ + Dauer
SEZspätester Endzeitpunktkleinstes SAZ aller Nachfolger
SAZspätester AnfangszeitpunktSEZ − Dauer

Dazu kommen zwei Puffer:

  • Gesamtpuffer (GP) = SAZ − FAZ – so weit darf sich ein Vorgang verschieben, ohne das Projektende zu gefährden.
  • Freier Puffer (FP) = kleinstes FAZ der Nachfolger − FEZ – so weit darf er sich verschieben, ohne dass sich der nächste Vorgang verschiebt.

In der Prüfung sieht ein Vorgangsknoten meist so aus – oben die frühesten, unten die spätesten Zeiten:

┌───────┬───────┬───────┐
│  FAZ  │ Dauer │  FEZ  │
├───────┴───────┴───────┤
│  Nr.   Vorgang        │
├───────┬───────┬───────┤
│  SAZ  │  GP   │  SEZ  │
└───────┴───────┴───────┘

Schritt für Schritt: ein Netzplan im Beispiel

Genau dieses Beispiel kannst du in der interaktiven Netzplantechnik unter „Beispiel: Übungsaufgabe“ laden, eigene Vorgänge ergänzen und dir Netzplan, Gantt-Diagramm und jeden Rechenschritt anzeigen lassen.

Der kritische Pfad

Der kritische Pfad ist die längste Kette von Vorgängen vom Projektstart bis zum Projektende. Alle Vorgänge auf ihm haben einen Gesamtpuffer von 0. Seine Länge ist die kürzestmögliche Projektdauer.

Daraus folgt das Wichtigste für die Praxis: Wer ein Projekt beschleunigen will, muss Vorgänge auf dem kritischen Pfad verkürzen – etwa durch mehr Personal oder parallele Arbeit. Einen Vorgang mit Puffer zu beschleunigen, bringt für das Projektende nichts. Umgekehrt gilt: Jeder Tag Verzug auf dem kritischen Pfad ist ein Tag Verzug für das ganze Projekt.

Netzplan oder Gantt-Diagramm?

Beide Darstellungen planen dieselben Vorgänge, betonen aber Unterschiedliches. Der Netzplan zeigt die Abhängigkeiten und eignet sich zum Berechnen von Puffern und kritischem Pfad. Das Gantt-Diagramm (Balkenplan) zeigt die Vorgänge als Balken auf einer Zeitachse und macht auf einen Blick sichtbar, was wann läuft – ideal für die Kommunikation im Team und für die Zeitplanung in der Projektdokumentation.

In der Praxis ergänzen sich beide: Der Netzplan liefert die Zahlen, das Gantt-Diagramm macht sie anschaulich. Projektmanagement-Software erzeugt meist beides aus derselben Vorgangsliste.

Selbstkontrolle

Selbstkontrolle

Ein Vorgang hat die Vorgänger X (FEZ = 6) und Y (FEZ = 9). Wie lautet sein FAZ?

Selbstkontrolle

Was bedeutet ein Gesamtpuffer von 0?

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Gesamtpuffer und freiem Puffer?

Der Gesamtpuffer gibt an, wie weit sich ein Vorgang verschieben darf, ohne dass sich das Projektende verschiebt. Der freie Puffer ist strenger: Er gibt an, wie weit sich ein Vorgang verschieben darf, ohne dass sich der früheste Anfang eines Nachfolgers verschiebt. Der freie Puffer ist deshalb nie größer als der Gesamtpuffer.

Warum nimmt man in der Rückwärtsrechnung das kleinste SAZ?

Ein Vorgang muss so rechtzeitig fertig sein, dass jeder seiner Nachfolger spätestens pünktlich beginnen kann. Maßgeblich ist der Nachfolger, der am frühesten spätestens anfangen muss – also das kleinste SAZ. Würde man ein größeres nehmen, käme dieser Nachfolger zu spät.

Kann ein Netzplan Schleifen enthalten?

Nein. Ein Vorgang kann nicht sein eigener Vorgänger sein, auch nicht über Umwege. Würde A auf C warten und C auf A, könnte keiner von beiden je beginnen. Ein gültiger Netzplan hat deshalb immer eine eindeutige Richtung vom Projektstart zum Projektende.

Wofür brauche ich die Netzplantechnik in der Ausbildung?

Vor allem in der AP2 und in der IHK-Projektarbeit. In der Prüfung sollst du Netzpläne vervollständigen, Puffer berechnen und den kritischen Pfad bestimmen. Im Projektantrag und in der Dokumentation hilft dir die Methode, deine Zeitplanung nachvollziehbar zu begründen.

Weiterlesen: Wasserfall vs. Scrum: Unterschied erklärt · Lastenheft und Pflichtenheft: der Unterschied · Nutzwertanalyse: Beispiel Schritt für Schritt

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Netzplan zeigt die Vorgänge eines Projekts und ihre Abhängigkeiten.
  • Vorwärtsrechnung: FAZ = größtes FEZ der Vorgänger, FEZ = FAZ + Dauer.
  • Rückwärtsrechnung: SEZ = kleinstes SAZ der Nachfolger, SAZ = SEZ − Dauer.
  • Gesamtpuffer = SAZ − FAZ; freier Puffer = kleinstes FAZ der Nachfolger − FEZ.
  • Der kritische Pfad besteht aus allen Vorgängen mit Gesamtpuffer 0 und bestimmt die Projektdauer.

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