Zum Inhalt springen
YellowBlue
IT-KaufleuteLF 55 Min. Lesezeit

Deckungsbeitrag berechnen: Beispiel IT-Angebot

Kurzantwort

Der Deckungsbeitrag ist der Betrag, der nach Abzug der variablen Kosten vom Umsatz übrig bleibt und zur Deckung der Fixkosten beiträgt. Die Formel lautet: Deckungsbeitrag = Umsatz − variable Kosten. Solange er positiv ist, lohnt sich ein Zusatzauftrag – selbst dann, wenn er nach Vollkosten rechnerisch Verlust macht.

Teil des Lernpfads Kaufmännisches Wissen und WISO · Schritt 8 von 14

Kaum ein Thema taucht in der Abschlussprüfung so zuverlässig auf wie der Deckungsbeitrag – und kaum eines wird so oft falsch verstanden. Der Grund: In der Schule lernst du die Formel, im Betrieb siehst du eine Excel-Tabelle, und niemand verbindet beides.

Dieser Beitrag schließt die Lücke an einem Auftrag, wie er in jedem Systemhaus über den Tisch geht.

Was ist der Deckungsbeitrag?

Der Deckungsbeitrag ist die Differenz zwischen dem Umsatz eines Produkts und seinen variablen Kosten. Er zeigt, wie viel Geld übrig bleibt, um die Fixkosten des Unternehmens zu decken – und alles, was darüber hinausgeht, ist Gewinn.

Der entscheidende Punkt steckt in der Unterscheidung der Kostenarten:

KostenartVerhält sich …Beispiel im Systemhaus
Variable Kostenproportional zur Mengeeingekaufte Hardware, Lizenzkosten pro Nutzer
Fixkostenunabhängig von der MengeMiete, Gehälter, Leasing der Firmenwagen

Variable Kosten entstehen nur, wenn du den Auftrag annimmst. Fixkosten laufen weiter – ob du ihn annimmst oder nicht. Genau daraus folgt die ganze Logik der Deckungsbeitragsrechnung.

Wie rechnet man den Deckungsbeitrag konkret aus?

Nehmen wir einen typischen Auftrag: Ein Kunde bestellt 20 Notebooks, die du inklusive Einrichtung lieferst.

Diese 4.000 € sind nicht dein Gewinn. Sie sind der Beitrag dieses Auftrags zur Deckung der Fixkosten deines Systemhauses – Miete, Verwaltung, die Gehälter der Kolleg:innen, die nicht direkt am Auftrag arbeiten.

Stückdeckungsbeitrag und Gesamtdeckungsbeitrag

Die Prüfung unterscheidet sauber zwischen beiden Größen, und du solltest das auch tun:

db  (Stückdeckungsbeitrag) = Preis pro Stück − variable Kosten pro Stück
DB  (Gesamtdeckungsbeitrag) = db × Absatzmenge
                            = Umsatz − variable Gesamtkosten

Ab wann lohnt sich ein Auftrag?

Hier wird es interessant – und hier verlieren die meisten Prüflinge Punkte.

Stell dir vor, dein Chef hat die Fixkosten auf die Notebooks umgelegt: 250 € pro Stück. Nach dieser Vollkostenrechnung kostet ein Notebook 1.000 € + 250 € = 1.250 €. Bei einem Angebotspreis von 1.200 € macht ihr also 50 € Verlust pro Gerät.

Ein Kunde will nun 20 zusätzliche Notebooks, zahlt aber nur 1.100 €. Nach Vollkosten wäre das ein Verlust von 150 € pro Stück. Ablehnen?

Zwei Bedingungen müssen dafür allerdings erfüllt sein, und die IHK fragt gern danach:

  1. Freie Kapazitäten. Wenn deine Techniker ausgelastet sind, verdrängt der Zusatzauftrag einen anderen. Dann musst du die entgangenen Deckungsbeiträge gegenrechnen.
  2. Keine Marktstörung. Wenn Stammkunden vom Sonderpreis erfahren, willst du diese Diskussion nicht führen.

Wo liegt die Gewinnschwelle?

Die Gewinnschwelle – auch Break-even-Point genannt – ist die Absatzmenge, bei der alle Fixkosten gedeckt sind. Ab dem nächsten verkauften Stück verdienst du Geld.

Selbstkontrolle

Selbstkontrolle

Ein Auftrag bringt 800 € Umsatz. Die variablen Kosten betragen 700 €, die anteiligen Fixkosten 150 €. Sollte das Unternehmen den Auftrag bei freien Kapazitäten annehmen?

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Deckungsbeitrag und Gewinn?

Der Deckungsbeitrag ist der Umsatz abzüglich der variablen Kosten. Gewinn entsteht erst, wenn die Summe aller Deckungsbeiträge die Fixkosten übersteigt. Ein Auftrag kann also einen positiven Deckungsbeitrag haben und das Unternehmen trotzdem Verlust machen, wenn insgesamt zu wenige Aufträge hereinkommen.

Warum darf man die Fixkosten bei einem Zusatzauftrag ignorieren?

Weil sie ohnehin anfallen. Miete und Gehälter ändern sich nicht dadurch, dass du 20 Notebooks mehr verkaufst. Für die Entscheidung über einen einzelnen Zusatzauftrag sind sie deshalb nicht entscheidungsrelevant. Das gilt allerdings nur kurzfristig und nur bei freien Kapazitäten – langfristig müssen alle Deckungsbeiträge zusammen die Fixkosten tragen.

Was ist ein negativer Deckungsbeitrag?

Ein negativer Deckungsbeitrag bedeutet, dass der Verkaufspreis nicht einmal die variablen Kosten deckt. Mit jedem verkauften Stück verlierst du zusätzlich Geld. Solche Aufträge solltest du ablehnen – es sei denn, es gibt strategische Gründe wie den Einstieg bei einem Großkunden.

Wie berechnet man die Gewinnschwelle in Euro statt in Stück?

Multipliziere die Break-even-Menge mit dem Verkaufspreis pro Stück. Alternativ teilst du die Fixkosten durch die Deckungsbeitragsquote, also durch den Anteil des Deckungsbeitrags am Umsatz. Bei 1.200 € Preis und 200 € Deckungsbeitrag liegt die Quote bei 16,67 Prozent.

Weiterlesen: Vom Angebot zur Rechnung im Systemhaus · Angebotsvergleich: quantitativ und qualitativ · Buchführung: Bilanz und GuV verstehen

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Deckungsbeitrag ist der Umsatz abzüglich der variablen Kosten.
  • Er dient zuerst der Deckung der Fixkosten, danach entsteht Gewinn.
  • Ein Zusatzauftrag lohnt sich bei freien Kapazitäten, sobald sein Deckungsbeitrag positiv ist – die Vollkostenrechnung führt hier in die Irre.
  • Die Gewinnschwelle ergibt sich aus Fixkosten geteilt durch den Stückdeckungsbeitrag.

Verwandte Beiträge

IT-Kaufleute5 Min. Lesezeit

Vom Angebot zur Rechnung im Systemhaus

Anfrage, Angebot, Bestellung, Lieferschein, Rechnung: der vollständige Beschaffungsvorgang im IT-Systemhaus mit allen Fristen und Rechtsfolgen.

IT-Kaufleute3 Min. Lesezeit

Kostenrechnung: Kostenarten, -stellen und -träger

Wie die Kosten- und Leistungsrechnung aufgebaut ist: die drei Stufen Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung sowie fixe und variable Kosten.

IT-Kaufleute4 Min. Lesezeit

Leasing oder Kauf? IT-Beschaffung finanzieren

Wann sich Leasing lohnt und wann der Kauf: Wie sich die beiden Finanzierungswege bei Liquidität, Eigentum, Bilanz und Flexibilität unterscheiden.